EU-Erbrechtsverordnung - Wichtige Änderungen im Erbrecht!

Seit einiger Zeit ist die EU-Erbrechtsverordnung in Kraft getreten.

Diese sorgt europaweit für Veränderungen im Erbrecht.

Bislang hatte jedes Land in der EU eigene Regeln zu der Frage, welches Recht bei internationalen Erbfällen Anwendung finden soll (z.B. wenn ein Italiener während des Urlaubs in Frankreich verstirbt).

Die sorgte häufig für schwierig zu beantwortende Rechtsfragen.

Durch die EU-Erbrechtsverordnung erfolgt nun eine Vereinheitlichung der Rechtslage.

Das anzuwendende Erbrecht wird nun einheitlich in allen Mitgliedstaaten (mit Ausnahme von Dänemark, Irland und Großbritannien) nach denselben Regeln bestimmt.

Dies bringt aber auch und gerade für das deutsche Erbrecht weitgehende Änderungen mit sich!

Nach deutschem Recht wurde bislang grundsätzlich auf die Staatsangehörigkeit des Erblassers abgestellt.

Nach der EU-Erbrechtsverordnung kommt nun grundsätzlich das Erbrecht desjenigen Staates zur Anwendung, in dem der Erblasser seinen "letzten gewöhnlichen Aufenthalt" hatte.

Für alle Menschen, die auf Dauer in Deutschland leben und dort versterben, gilt also künftig deutsches Erbrecht. Dies unabhängig davon, welche Staatsangehörigkeit besteht und wo sich die zu vererbenden Vermögensgegenstände befinden (z.B. Grundstücke im Ausland).

Hat hingegen ein deutscher Erblasser seiner gewöhnlichen Aufenthalt im Ausland (Stichwort: "Mallorca-Rentner"), greift das dortige ausländische Erbrecht.

Dies kann zu überraschenden und und ungewollten Ergebnissen führen, zumal z.B. Pflichtteilsrechte im Ausland teilweise nicht existent sind oder der Ehegatte weniger erbt als nach deutschem Erbrecht.

Dies kann aber durch Rechtswahl des Erblassers zu Lebzeiten verhindert werden.

Möglich und zu empfehlen ist daher, dass das Recht der Staatsangehörigkeit - hier deutsches Erbrecht - gewählt, d.h. durch letztwillige Verfügung ausdrücklich bestimmt wird.

Gegebenenfalls sollten bereits vorhandene Testamente/Erbverträge um eine entsprechende Regelung ergänzt werden.

Eine weitere Neuheit ist das „Europäische Nachlasszeugnis". Neben dem deutschen Erbschein kann damit in allen Mitgliedsländern der Nachweis über die Erbenstellung erbracht werden.

Insgesamt raten wir dazu, ggf. bereits vorhandene Testamente (auch hierauf findet die EU-Erbrechtsverordnung seit dem 17.08.2015 Anwendung) zu überprüfen und ggf. rechtssicher zu ergänzen.

Gerne stehen wir Ihnen im Rahmen einer Erstberatung mit unseren Spezialisten im Erbrecht an unseren Kanzleistandorten in Schwerin, Rostock und Malchow zur Verfügung.


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