Der Winter kommt! - Versicherungsschutz mit Sommerreifen?

In Deutschland gilt die sogenannte "situative Winterreifenpflicht". Sobald also winterliche Straßenverhältnisse herrschen, müssen Winterreifen verwendet werden.

Anders als etwa Österreich gibt es aber hierzulande keine festen zeitlichen Grenzen.

Die bekannte Formel von "O bis O", d.h. von Oktober bis Ostern, ist also keine gesetzliche Regelung.


Zur Rechtslage:

Bereits seit dem 4. Dezember 2010 darf in Deutschland gemäß §2 Abs.3a StVO – unabhängig von der Jahreszeit – bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Reif- oder Eisglätte nur mit Winterreifen gefahren werden, grundsätzlich also solchen Reifen mit "M+S" bzw. "Schneeflocken"-Symbol. Eine erhöhte Mindestprofiltiefe gilt hierzulande nicht.

Für bestimmte (Sonder-)Fahrzeuge gelten Ausnahmen, so z.B. für schwere LKW, Busse oder Einsatzfahrzeuge.

Bei Verstößen gegen die Winterreifenpflicht drohen 1 Punkt in "Flensburg" (genauer: im Fahreignungsregister) sowie ein Bußgeld von 60 €, bei Behinderungen des Verkehrs sogar in Höhe von 80 €.

Darüber hinaus droht insbesondere bei einem Unfall erheblicher Ärger mit der Versicherung.

In Fällen "grober Fahrlässigkeit" ist die Versicherung im Einzelfall berechtigt, die Versicherungsleistungen zu kürzen. Eine solcher Fall der groben Fahrlässigkeit liegt bei einer Fahrt mit Sommerreifen unter winterlichen Straßenverhältnissen in aller Regel auf der Hand.

Allerdings muss es sich nach der Rechtsprechung um "durchgehend winterliche Straßenverhältnisse" handeln, so dass bei einem nicht vorhersehbaren plötzlichen Wintereinbruch die Chancen einer Rechtsverteidigung für den Fahrer recht gut stehen.

Auch ist im Einzelfall anhand der Versicherungsunterlagen zu prüfen, ob die Versicherung nicht von vornherein bereits auf den Einwand der "groben Fahrlässigkeit" verzichtet hat.

Gegenüber der eigenen (Voll-)Kaskoversicherung drohen im schlimmsten Falle erhebliche Kürzungen der Versicherungsleistungen (im Extremfall sogar bis auf "Null"), gegenüber der eigenen Kfz-Haftpflichtversicherung droht ein Regressanspruch bis zu maximal 5.000,00 €.

Von Fahrten auf Schnee und Eis mit Sommerreifen ist also ausdrücklich abzuraten.

Für sämtliche Fragen im Verkehrsrecht stehen wir Ihnen an unseren Kanzleistandorten in Schwerin, Rostock und Malchow zur Verfügung.


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